Wie es nach meinem Abbruch von Norge Pa Langs weiterging.

Am 4.Juli 2022 legte die Fähre die mich von Kristiansand nach Eemshaven brachte pünktlich an. Hier hab ich meine Eintragungen nicht mehr weitergeführt, weil, ich fühlte mich schlecht. So viele Träume waren geplatzt und ich haderte mit mir wegen dieses „Versagens“. Ich sah die vollbrachte Leistung nicht, bzw. wollte ich sie nicht sehen. ziemlich frustriert trat ich mit dem Bike die weitere Heimreise an. Diese Tage durch die Niederlande waren zwar schön gewesen und konnten mich etwas ablenken, aber so richtig in Stimmung kam ich nie. Dann der Grenzübertritt in Emmerich wo ich wieder seit längerer Zeit deutschen Boden unter den Füßen/Reifen spürte… All das konnte mich nicht mehr vom Hocker reißen. Höchstens noch vom Sattel, denn ich war wieder auf deutschen Radwegen unterwegs. Kurz vor Wassenberg meldete ich meinen Besuch bei Renate und Siggi an. Beide hatte ich 2009 auf dem Camino Frances in Saint Jean Pied de Port kennengelernt und unser Kontakt hat bis heute noch gehalten. Es wurde ein kurzer Besuch und Renate empfing mich mit deftiger und sehr leckerer Hausmannskost. Wir unterhielten uns noch ca. 2 Std und dann musste ich auch schon los, denn in Hückelhoven wartete eine Übernachtungsmöglichkeit bei Bärbel, einer gute Freundin meines Bruders auf mich. Und was Wunder mein Bruder war auch „zufällig“ anwesend und so kam es zum ersten Familienkontakt mit Grillabend und einigen Bierchen.

Die restlichen Tage bis zu meiner Ankunft zu Hause am 10.07. verliefen verhältnismäßig ereignislos. Die Wiedersehensfreude war unbeschreiblich. Claudia war heilfroh mich gesund und munter in die Arme schließen zu können und unsere Luna flitzte vor Aufregung und Freude durch die Wohnung und wurde nicht fertig mich zu begrüßen.

Ich hätte soviel zu erzählen gehabt, aber ich brachte kein Wort über die Lippen. Auch in den folgenden Monaten nicht. Ich war nicht fähig über meine Reise zu sprechen. Erst im Dezember war ich soweit. Die meiste Zeit verbrachte ich grübelnd auf der Couch und schottete mich komplett ab.

Claudia machte den Vorschlag, da wir in absehbarer Zeit das Grüne Band mit den E-Bikes befahren wollten, dies da ich ja jetzt früher als geplant aus Norwegen zurück war, als gleich in Angriff zu nehmen. Ich war Feuer und Flamme und machte mich sofort an die Planung und so kam es, dass wir uns am 7. August mit dem Auto und den Rädern auf dem Träger auf den Weg nach Lübeck machten um von dort für 3 Wochen auf dem Grünen Band entlang der ehemaligen Grenze zur DDR nach Hof a.d.Saale zu radeln. Danach machten wir noch mit einem befreundeten Paar zusammen im November eine kleine Radtour auf dem Elberadweg von Bad Schandau nach Magdeburg.

Das alles waren schöne Unternehmungen, brachten mich aber irgendwie nicht aus diesem Tief heraus, das mich seit meiner Rückkehr aus Norwegen fest im Griff hielt. Ich lag nur noch auf der Couch rum und versank immer Tiefer in meinen Depries, lies mich völlig gehen. Dann Anfang Januar 23 begann ich mich wieder zu berappeln. Ich begann meine Gedanken zu sortieren, die mich in der Hardangervidda überfielen und mich letztendlich lähmten weiterzugehen. Ich ließ sie nochmal Revue passieren und kam zum Entschluss, dass ich diese Probleme, die ich seit über 30 Jahren vor mir herschob auch in Angriff nehmen konnte. Ich nahm die Medikamente, die ich blödsinnigerweise vor NPL-Start eigenmächtig abgesetzt hatte wieder ein, setzte mich mit mir und anderen Personen die dies betraf auseinander und nach und nach verschwand das Tief wie von alleine. Hat etwas gedauert, aber immerhin. Hab mich dann noch zu einem Autogenen Training angemeldet und dort liebe Menschen kennengelernt, die sich auch mit allerlei Problemen herumschlugen und so wurde das A T fast zu einem Selbsthilfekurs für Problembewältigungen. Es hat mir sehr gut getan. Danke Sabine! In der Zeit des Autogenen Trainings dachte ich darüber nach, was wäre wenn ich im Sommer nach Oslo fliegen würde und in Finse eine Tour durch den Halingskarvet – und Jotunheimen – Nationalpark zu wandern und anschließend bis Trondheim zu gehen. Vielleicht ein Stück weit über den Olavsweg zu pilgern oder einen anderen Weg einschlagen. Das entscheide ich dann vor Ort. Nur für vier Wochen, länger soll es nicht gehen. Was muss ich sagen, ich fühlte mich gut bei dem Gedanken. Ich wartete noch ein paar Tage ab um zu sehen ob die Begeisterung nicht doch wieder abflaut. Das Gegenteil war der Fall und so kam es, dass ich für den 26.Juni einen Flug nach Oslo gebucht hab.

Wie es weiter geht erfahrt ihr hier

11 Kommentare zu „Wie es nach meinem Abbruch von Norge Pa Langs weiterging.

  1. Was für ein ehrlicher, offene Bericht!
    Den Blog im vergangenen Jahr habe ich täglich verfolgt und den Abbruch verdtanden aber auch sehr bedauert. Bin jetzt sehr froh dass der positive Traum die Oberhand gewonnen hat und dass es weitergeht.
    Guten Weg, Buen Camino!
    Pütz aus der Alten Lateinschule in Traben-Trarbach

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    1. Hallo und guten Morgen in die Alte Lateinschule, das freut mich richtig von Ihnen zu hören und dass die Beiträge so gut angekommen sind. Vielen Dank dafür.😊 Ich hab oft an die Übernachtung denken müssen, gehörte sie doch zu meinen liebsten Unterkünften und ob Ihr Sohn seinen Weg noch gehen will.
      Liebe Grüße aus dem sonnigen Saarland

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  2. Hallo Manni, ich freue mich wirklich sehr diese Nachricht zu lesen und gestehe gerne, dass ich ab und an daran gedacht habe, wie es dir geht…umso mehr freut es mich, dass du aus dem Tief wieder aufgetaucht bist, Pläne schmiedest und dich nicht unterkriegen läßt… wahrscheinlich kannst du dich gar nicht mehr an mich erinnern – war ja auch nur eine kurze Fahrt in Hirtshals zur Fähre. Wenn es dich und deine Claudia mal nach Sylt führen sollte – ihr seit immer herzlich willkommen…übrigens – ich reise jetzt nicht mehr alleine im Wohnmobil…sie heißt Luna und ist ein mittelgroßer „Straßenköter“ aus Estland – es geht uns beiden sehr gut…lieben Gruß Christine

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    1. Hallo und guten Morgen liebe Christine, natürlich weiß ich noch wer du bist und ich hab mich auch des öfteren gefragt was du so treibst. Auch wenn unsere Begegnung etwas kurz war, hat sie doch eine Spur hinterlassen an die ich mich gerne erinnere. Danke für die netten Worte und für das Angebot mal in Sylt vorbeizuschauen. Aber Vorsicht! Ich nehme solche Angebote sehr ernst! 😂😁
      Schön, dass du eine neue Begleitung gefunden hast. Solche Tiere können sehr liebevolle und treue Begleiter im Leben sein.
      Liebe Grüße aus dem sonnigen Saarland

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  3. Hallo Manni, finde es toll, dass du deine Gedanken so offen teilst. Es hat zwar jeder sein Päckchen selbst zu tragen, aber trotzdem ist es gut zu wissen, dass es auch anderen nicht immer leicht fällt. Und getreu dem Motto „Neuss Jahr, neues Glück“ freue ich mich schon auf deine Berichte. Wünsche dir jedenfalls alles erdenklich Gute! 😀 LG Anett

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  4. Lieber Manni,
    wir wünschen Dir, dass Dir auf Deiner Tour nur Schönes begegnen soll, Dich kein Leistungsgedanke am eigentlichen Erleben Deiner Reise hindert und Du wohlbehalten mit einem Berg von Erinnerungen, Bildern und Erzählungen im Herzen zurückkommst. Und.. ein Wort von Hermann Hesse:
    „Herz, wie bist du wund gerissen,
    und wie selig, blind zu wühlen,
    nicht zu denken, nicht zu wissen,
    Nur zu atmen, nur zu fühlen!“
    Alle Gute für Deine Tour wünschen Dir sehr herzlich
    Eveline und Markus

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    1. Hallo Eveline, hallo Markus,
      Danke für die lieben Worte, auch für die vom alten Herr Hesse. Dem Leistungsdruck werd ich mich nicht mehr aussetzen und meine Berichte werden verspätet oder Zeitversetzt erscheinen. Mitnehmen tu ich euch auf jeden Fall.
      Wir müssen uns mal wieder treffen. Vielleicht wieder zu einer Heilig Morgen Wanderung?😍👍

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  5. Lieber Manni, das ist eine ausgezeichnete Idee :).Heiligmorgen ist vermerkt. Und danke, dass wir durch deine Berichte ein wenig mitreisen dürfen.
    Liebe Grüße Eveline und Markus

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