Nachtrag Tage 33, 34 und 35

Ich habe den Blog in den letzten Tagen so ziemlich vernachlässigt. Nicht aus Bequemlichkeit, es war eine bewusste Entscheidung. Ich musste herausfinden, ob ich diese Tour unterschätzt und ich mich überschätzt habe. Nicht die körperliche Anstrengung schaffte mich! Es war die psychische. Als ich am Morgen im Museum aufgewacht bin standen alle Warnzeichen eines Depressionsschub auf Alarmstufe Rot. Bitte nicht hier und nicht jetzt dachte ich noch. Aber so weitermachen wie bisher kann ich beim besten Willen nicht. Ich brauche eine Bedenk- und Auszeit. Der junge Gastgeber bot mir an, mich gegen Mittag ins 30 km entfernte Fyresdal mitzunehmen, da er dort Einkäufe erledigen musste. Ich nahm dankend an. Das ist zwar nicht im Sinne von Norge på langs, aber es war mir in diesem Moment egal. Ich bat den jungen Mann mich am Campingplatz abzusetzen, wo ich erstmal den Rucksack in eine Ecke stellte und mich um die Anmeldung kümmerte. Es ging wie so oft hier nur über Telefon und bezahlen sollte ich im örtlichen Sparmarkt. Ein Hoch auf das Vertrauen der Norweger. Wer will das kontrollieren ob ich morgen bezahle oder nicht. Doch das wär mir zu schäbig das entgegengebrachte Vertrauen auszunutzen. Ich stellte meine Hundhütte mit Blick zum Fyresvatn auf, dass wenn ich morgen früh aufwache die Sicht auf diesen schönen See hab. Doch nun musste eine Entscheidung her. Ich bin nun schon einen ganzen Monat lang unterwegs und ich denke, dass es an der Zeit ist die Tour zu überdenken. Bis Rjukan sind es noch ganze 150 km an der Straße zu laufen, aber in meiner jetzigen Verfassung nicht dran zu denken. Aufgeben und nach Hause fahren wäre die eine Option, weitermachen ohne mich weiter unter Druck zu setzen wäre die andere. Bis zur endgültigen Entscheidung will ich aber bis zum nächsten Morgen warten. In der Zwischenzeit überlege ich mir eine Lösung. Ich gelangte immer mehr zu der Überzeugung, dass ich mir diesen immensen Druck unter dem ich mich grade so unwohl fühle, selber aufgeladen habe. Warum muss es ausgerechnet NPL sein, wo eine ungeschriebene Regel besagt, dass der komplette Weg zu Fuß zurückgelegt werden muss. Wenn dem so ist, werde ich mich von dem Gedanken wohl verabschieden. In Gedanken spielte ich verschiedene Varianten durch und bei der einen, die mir am ehesten zusagte und sogar wieder etwas Auftrieb verschaffte, bin ich dann leztendlich hängen geblieben. Auch habe ich bemerkt, dass ich mich durch den in der Saarbrücker Zeitung erschienen Artikel über mein Vorhaben, zu sehr unter Druck gesetzt habe, so dass dies schon lange nicht mehr „meine“Tour ist die ich gehe. Ich werde mir für Morgen eine Busverbindung nach Rjukan suchen, dort nochmal meine Entscheidung einen Tag lang überdenken und sollte ich weitermachen, dann dort zur Hardangervidda hochsteigen. Mit diesem Entschluß freunde ich mich immer mehr an und ich verspüre auch schon wieder etwas wie Vorfreude auf die Wanderung durch diesen Nationalpark. Ich werde so Schritt für Schritt weiterentscheiden und sollte es nicht zum Nordkap reichen, dann ist das halt so.

Ich hoffe, dass ich auf diese Weise meinen ursprünglichen Weg wieder finden werde.

Mittlerweile bin ich in Rjukan eingetroffen wo ich mich im Gjestehus für zwei Tage einquartiert habe und morgen den Aufstieg in die Vidda wage. Evtl. nehme ich die Seilbahn in Anspruch, die mich auf 880 m Höhe hinaufbringt. Ok, streichen wir das „evtl“. Ich werde die Bahn in Anspruch nehmen.

Dann mache ich mich jetzt mal auf den Weg zum Supermarkt um mir Vorräte für die nächsten 6-8 Tage einzukaufen. Die Hütten auf dem Weg nach Geilo durch die Vidda sind zwar bedient oder halbbedient, aber auf Dauer recht teuer um mich da jedesmal aus der Vorratskammer zu bedienen.

6 Kommentare zu „Nachtrag Tage 33, 34 und 35

  1. Hallo Manne,Du weißt doch, Termin ist, wenn Du da bist. Gilt doch fürs ganze Leben. Mach das in Deinem Tempo und wie es sich für Dich am besten anfühlt. Ich finds toll was Du machst. Pass gut auf Dich auf und mach Dich nicht verrückt.
    Ganz lieb drück Dora

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  2. Wir wünschen dir alles Gute für die kommenden Tage! Wichtig ist, dass du (d)eine schöne Tour hast und die Zeit genießen kannst – unbeschriebene Regeln hin oder her. In der Hardangervidda musst du dich aber auch auf viel Matsch und Sumpf einstellen. Also behalte die Nerven und genieße die tolle Landschaft🙂 Toi toi toi!
    Simone & Stefan

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  3. Ich finds toll und wichtig dass Du dir die Zeit nimmst zu reflektieren und nachzuspüren ob das alles so richtig ist für Dich! Immerhin gehst du den Weg für dich und nicht für uns 🙂
    Und dass da der Schlindwein’sche Dickkopf sich einschaltet ist bei so vielen Erwartungen von Außen auch kein Wunder 😀

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