Tag 32 Tag 14 NPL Granbustøylhytta -Austieg aus Austeheiane über Kvipt 14 Km. 14. Juni

Heute muss ich mich entscheiden. Absteigen oder die nächsten 4 Etappen bis zur Bjornevasshytta durchbeißen. Erst hier wird ein Abstieg wieder möglich sein. Meine müden Knochen am Morgen betteln förmlich darum es jetzt und gleich zu tun. Ich merke wie ich immer schlechter auf die Beine komm. Ob es an der, vor der Abreise durchstandenen Coronainfektion liegt? Ich weiß es nicht! Vielleicht spielt sie eine Rolle mit. Auf jeden Fall darf ich heut den Abzweig ins Tal nicht verpassen. Doch diese Sorge ist unberechtigt, denn der Weg ist gut ausgeschildert. Da muss ich doch dem DNT ein großes Lob aussprechen. Alle Nase lang weist ein Roter Farbklex oder ein rotes T auf die richtige Richtung hin. Wie die das machen ist mir ein Rätsel. Geht da ab und an mal jemand mit einem Eimer Farbe und Pinsel die Strecke ab und bemalt Felsen, Bäume Zweige?

Schon kurz nach dem Richtungswechsel nach Osten runter ins Fyresdal nimmt der Weg nochmal groteske Formen an. Es geht direkt an der Wasserkannte des Blakstjonn entlang durch noch tieferen Schlamm und Sumpf als zuvor. Ich sehe aus, als wenn ich im Moor gebadet hätte. Nix is mehr sauber. Aber zum Glück ist laut Karte eine Vollbediente Hütte in 4 km in Aussicht. D.h. es git Hüttenpersonal, evtl. auch Strom und fließend warmes Wasser. Wäre nach fünf Tagen nicht mal das schlechteste. An der Staustufe angekommen, sehe ich seit drei Tagen wieder einen Menschen. Er steht am Ufer und angelt. Wie der wohl hierhergekommen ist? Ich winke ihm freundlich zu, er winkt zurück und schon trotte ich weiter und freue mich auf die nächsten 400 m bergab. Erst geht es noch relativ eben zur Sache, doch dann seh ich den Einstieg zum Abstieg. Können Norweger nur Extrem? Fast senkrecht geht es runter und Serpentinen ist wohl ein Fremdwort für die. Dann schau ich in eine andere Richtung. Durch den Einschnitt kann ich bis runter ins Tal sehen. Ein riesiger See strahlt mich von unten an, beleuchtet von der Sonne und teilweise im Schatten der Wolken liegend. Was für ein Schauspiel. Die Fotos können bei weitem nicht den Anblick wiedergeben wie er sich mir hier bietet. Für den letzten Kilometer nach unten brauche ich fast 1½ Std. Dann unten angekommen keine Spur einer DNT-Wanderhütte. Ich seh die restaurierten Gebäude eines alten Bauernhofes aus dem 16. Jahrhundert. Liebevoll restauriert. Ein alter Ford A von 1931 und zwei alte Chevrolet Pickups aus den 50er Jahren stehen davor. Wenn jetzt noch Pa Walton und John Boy auftauchen würden….es hätte gepasst. Ich klopfe an einem der Gebäude an in dem ich Stimmen aus einer Küche vernehme und da steht er wahrhaftig vor mir. JOHN BOY ! ! ! Begleidet mit einem Arbeitshemd und Hosen mit Trägern aus längst vergangen Tagen. Nicht dass es alt und verlottert ausgesehen hätte, nein es stand ihm ausgezeichnet und sah noch gut darin aus.

Ich bin so perplex dass ich nur mühsam auf englisch nach der DNT-Hütte fragen kann. Er antwortet auf deutsch, dass es hier kein DNT gibt. Die nächste sei oben in den Bergen.Aber da will ich nicht mehr hin. Er erklärte mir aber, dass ich eine der restaurierten Hütten haben könnte, für schlappe 750 NOK die Nacht. Sind umgerechnet 75 Euro. Für den Preis schlafe ich schon mal gerne in einem Museum. Essen gibts um 19 Uhr wie er mir erklärt. Wärend er mir die Hütte zeigt rupft er noch ein paar Brennessel von der Wand. Ich sagte zu ihm dass er das wegen mir jetzt nicht mache müsse. Er meint aber doch, denn die gibt es heut Abend als Vorspeise. Ich hoffe nicht als Salat! Ich beziehe meine gute Stube und verschwinde für lange Zeit unter der Dusche. Um 19 Uhr mache ich mich auf zum Essen. Es gibt als Vorspeise Brenneselsuppe mit nem Klex Rahm drauf und schmeckt sehr lecker. Hauptspeise war frische gefangene Forelle aus dem See mir Kartoffeln und Sahne und geraspelte Gurken dazu. Die Nachspeise ein Traum. Moltebeerenmuß mit untergehobenen Süßrahm. Seit einem Monat ist es das erste mal, dass ich was anständiges zu essen bekomme. Ich gehe gleich danach auch ins Bett, ein urgemütlicher Alkoven mit dicken Federbetten und weicher Matratze und schon falle ich in tiefen Schlaf.

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