Nachtrag vom 10.06. Tag 27 Tag9 NPL, Dolemo – Skarsvassbuhytta 19km

Zeitig um 7.00 Uhr breche ich in die Osthejane auf, da ich gleich zu Beginn 500m Aufstieg zu bewältigen habe. Je höher ich komme umso gewaltiger wird die Aussicht und ich komme vor lauter fotofrafieren und schauen kaum weiter. Dabei stehen mir noch weiter Ab- und Aufstiege bevor.

Bald schon geht es vom breiten Feldweg in einen schmalen Trampelpfad über. Kniehohes Gestrüpp und Beerensträucher – noch nass vom Regen – halten mir die Beine bis zu den Knien kühl und feucht. Noch halten die Schuhe dicht aber das wird sich bald ändern.
Je höher ich komme umso sumpfiger wird es und bald laufe ich durch knöchelhohen Morast und sumpfige Wiesen, die bei jedem Schritt ein schmatzendes Geräusch hinterlassen.
Es geht kaum voran. Teilweise brauche ich für 2km eine ganze Stunde und so zieht sich der weg bis ins Unendliche. Es ist schon 17.00 Uhr und die Hütte will einfach nicht auftauchen. Laut Navi ist sie nur noch 1km weit weg aber der Weg will einfach nicht auf mein Navi hören und baut zusätzliche Schlenker ein.

Dann auf einmal – ich komme gerade aus einem Gebüsch hervor – steht sie da in ihrer vollen Pracht: Die Skarsvassbuhütte.
Sie ist leer, niemand da. Ich kann mich also auf einen ruhigen Abend alleine gefasst machen. Ich ziehe die Schuhe aus, betrete die gute Stube und werde regelrecht erschlagen von so viel Komfort und Sauberkeit.
In der Vorratskammer bediene ich mich gleich an einer Dose eingelegter Pfirsiche. Gierig schlürfe ich das Zuckerwasser und verleibe mir den Inhalt ein, sodass ich Angst habe dass mir gleich eine diabetische Zehe abfällt.
Bei unseren Caminos die Claudia und ich in Frankreich und Spanien gelaufen sind, war die Sucht nach Cola sehr intensiv. Zu Hause trinke ich recht selten Cola, es sei denn der Zucker rauscht mir in den Keller oder der Schnaps ist so schlecht dass man ihn nicht pur trinken kann. Mit dem Dosenobst verhält es sich ähnlich. Das kommt nur in den Sekt als Bowle.

Das mit dem ruhigen Abend war es dann gewesen als ich laute Stimmen vernahm. Ein junges Paar aus Frankreich trudelt gegen 20.00 Uhr ein. Kurz darauf eine dritte Person. Es stellt sich heraus dass alle zusammen gehören und es sich um Vater, Sohn und Schwiegertochter handelt. Der Papá ist schon 69 und begeisterter Norwegenwanderer. Sie kommen aus den Pyrenäen und sind heute zu einer 10-tägigen Rundwanderung aufgebrochen.
Ich wasche mich notdürftig, mache mir eine Dose Labskaus warm, die ich genüsslich verspeise, trinke noch einen Kaffee und verziehe mich dann in mein Bett. Zuvor bezahle ich die Hütte und das dort Verspeiste per Hütten-bezahl-App. Ich habe hier zwar kein Internet aber die Rechnung liegt im Warenkorb und wird später, wenn wieder Netz da ist, bezahlt. Das geschieht alles auf Vertrauen. Hoffen wir, dass das noch lange so bleibt!

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